Berliner Nachtökonomie

Bausteine einer Strategie entwickelt

28. Juni 2024

Beitrag von Andrea Piest, Fachreferentin für niedrigschwellige Hilfen

Der Notdienst Berlin beteiligt sich an der Entwicklung einer gesamtstädtischen Strategie, das Nachtleben in Berlin nachhaltig zu fördern und zu entwickeln. Anfang Juni präsentierten die Clubcommission, Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und VibeLab im “Club der Visionäre” die ersten Bausteine der Strategie für die Berliner Nachtökonomie.

Das Berliner Nachtleben ist für viele Metropolen ein Vorbild, nicht nur aufgrund der hohen Diversität. Eine Strategie mit den besonderen Herausforderungen umzugehen, gab es bisher nicht. Im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe hat die Clubcommission Berlin e.V. in Partnerschaft mit der international tätigen Beratungsagentur VibeLab eine „Nighttime Strategy“ erarbeitet. Mit Hilfe von Expert*inneninterviews u.a. mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), DEHOGA, Industrie- und Handelskammer, Musicboard, visitberlin und dem Notdienst Berlin e.V., wurden 10 Zielsetzungen und 30 Handlungsempfehlungen zu einer besseren Nutzung sozialer, ökonomischer und kultureller Potenziale erarbeitet. Sie soll die Zusammenarbeit von allen Akteur*innen der Nacht fördern und entwickeln.

Warum war der Notdienst Berlin e.V. dabei?

Substanzgebrauch im öffentlichen Raum hat viele Gesichter. Viele denken zunächst an den Leopoldplatz oder an das Kottbusser Tor. Doch auch Substanzen wie Alkohol, Cannabis und weitere illegalisierte Substanzen spielen an unterschiedlichen Orten eine Rolle – vor allem im Nachtleben, wie Schlangen vor den Clubs, „Vorglühen“ in Bars, intoxikiert die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, versehentliche Überdosierungen oder andere unerwünschte Nebenwirkungen durch Substanzgebrauch zeigen.

In einem Interview durfte ich einschätzen, welche Maßnahmen aus der Sicht der Sucht- und Drogenhilfe hilfreich oder eher hinderlich wären. Dabei ging es um sehr viele unterschiedliche Themen:

  • Wie sozialraumverträglich sind bspw. Ballungsorte wie das RAW-Gelände für die umliegende Nachbarschaft, wenn sich dort jede Woche Tourist*innen und andere Besucher*innen in den Hauseingängen erleichtern?
  • Wie können substanzassoziierte Notfälle reduziert und vermieden werden?
  • Welchen Bedarf sehe ich für die Gesundheitsförderung insb. im Bezug auf Substanzgebrauch bei Nachtschwärmer*innen und Menschen, die im Nachtleben arbeiten?

Warum die Strategie wichtig ist

Nicht selten sind es Tourist*innen die, die medizinische Unterstützung benötigen, weil sie den Mischkonsum mit Alkohol und anderen Substanzen unterschätzt haben oder sich nicht ausreichend über Strategien der Risiko- und Schadensminimierung beim Substanzgebrauch informiert haben.  Notfälle sind auch eine enorme Belastung für Clubmitarbeitende. Oft fehlt es an Angeboten, Erlebtes zu verarbeiten. Auch der Gebrauch von Substanzen um lange Schichten, viele Jobs oder Mehrfachbelastungen zu bewältigen ist Realität.

Die Stadt profitiert von der Nachtökonomie, von dem fast grenzenlosen Engagement ihrer Akteur*innen. Der Aspekt der Gesundheitsförderung für Menschen, die in der Nachtökonomie beschäftigt sind, sollte mehr Berücksichtigung finden. Eine Stadt, die wie Berlin mit der Nachtökonomie sehr viel Geld verdient, muss sich an dieser Stelle ihrer Verantwortung bewusst sein und Angebote schaffen. Das geht von Präventionskursen, über Therapieplätze bis hin zum Drugchecking – auch für Tourist*innen.

Mehr Informationen

Die Pressemitteilung und den ersten Entwurf könnt ihr hier einsehen: https://www.clubcommission.de/eine-nighttime-strategy-fuer-berlin-mit-zehn-zielen-und-30-handlungsempfehlungen/

Hinweis der Herausgeber*innen: Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln die Meinungen der Autoren und Autorinnen wider.
Sie repräsentieren nicht unbedingt die Ansicht des Herausgebers.

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